Fußball-Landesliga: SV Fellbach - TSV Nellmersbach 2:3 (0:1)
Fellbach zu lange zu schwach - Nellmersbach jubelte
Auf Nellmersbacher Sturm war Verlass
Überraschend hat der TSV Nellmersbach das Derby in der Fußball-Landesliga beim SV Fellbach mit 3:2 gewonnen. Obwohl auch Glück dabei war, ging der Sieg in Ordnung. Denn Fellbach, immerhin Tabellenzweiter, blieb weit unter seinen Möglichkeiten und spielte teilweise sogar katastrophal.
Nach dem Halbzeitpfiff trat SVF-Trainer Frank Weinle so heftig gegen einen ahnungslos hinter der Außenlinie liegenden Ball, als habe der ein schweres Verbrechen begangen. Weinles Frust war mehr als verständlich. Denn was seine Mannschaft in der ersten Hälfte abgeliefert hatte, war fürchterlich. Kampf- und Laufbereitschaft? Gab’s, aber eben nur bei Nellmersbach.
Das Gästeteam zeigte sich gut erholt von der Schlappe gegen Bad Wimpfen. Besonders Verlass war wieder einmal auf die gefährlichen Stürmer, die alle Tore für den TSV erzielten. Dazu hatten die Nellmersbacher mit Matthias Brugger einen Schlussmann, der von der 70. Minute an überragend hielt.

Fellbachs Marko Leskovar im Zweikampf mit Nellmersbachs Daniel Weller - im Hintergrund TSV Libero Andreas Salzmann
Das 1:0 fiel bereits in der vierten Minute, ein Tor Marke Großbritannien: Einen langen Ball legte Sören Kupfer per Kopf auf den sehr starken Neuzugang Adis Skenderovic ab, während die Fellbacher Abwehr schlief. Der Stürmer lief zwischen zwei Gegenspielern durch und zog ab, traf aber den Ball nicht richtig. Ein Glück für den TSV, denn die Kugel trudelte unhaltbar für SVF-Keeper Sven Kraft ins Tor.
Die mangelnde Zuordnung bei Fellbach besserte sich nicht. In der 14. Minute nutzte das Micum Brezovac aus, schoss aber übers Gehäuse. Der SVF hatte mehr Ballbesitz, der sich aber fast nur in unmotivierten Querpässen niederschlug. Eine wirklich gefährliche Situation brachten die Hausherren aber nicht zustande, auch wenn die Nellmersbacher Defensive hin und wieder bedenklich schwamm. So blieb’s beim 0:1 zur Pause.
Drei Minuten nach Wiederanpfiff hätte der Ausgleich fallen können, doch Vladimir Trickov scheiterte frei an Brugger. Wenig später verschätzte sich der Gästetorwart bei einer verunglückten Flanke von Bülent Güner, trottete gemächlich zurück und musste erschreckt feststellen, dass der Ball an den Pfosten prallte (52.).
Das Spiel wurde nun etwas attraktiver, vor allem weil die Fellbacher Akteure etwas aufgewacht zu sein schienen und sich entsprechend schneller über den Platz bewegten. Folge war das auf Grund der großen Chancen zuvor jetzt verdiente 1:1 durch einen platzierten Kopfball von Marko Leskovar nach einem Freistoß (56.). Drei Minuten später war erneut der SVF-Stürmer zur Stelle, köpfte diesmal aber in die Arme von Brugger.
TSV-Coach Lang reagierte und wechselte Andreas Wiedmann und Kadir Tatar für Jürgen Krajnc und Denis Musik ein. Mit Erfolg: Besonders der quirlige Tatar stellte die Abwehr der Gastgeber immer wieder vor Probleme. Die schien in der 64. Minute plötzlich wieder in Tiefschlaf gefallen zu sein. Nach einer eigentlich ungefährlichen Flanke brachten die Fellbacher den Ball nicht aus ihrem Strafraum heraus. Für die kläglichen Versuche wurden sie prompt vom aufmerksamen Sören Kupfer bestraft: 1:2.
Fünf Minuten später durfte Nellmersbach dann sogar auf 1:3 erhöhen, als eine plumpe Grätsche gegen Tatar zu einem Elfmeter führte. Den verwandelte Skenderovic sicher.
Nun machte Fellbach endlich Druck, schließlich hätte ein Sieg zur Tabellenführung gereicht, und brachte den TSV mehrmals in Bedrängnis. Doch die hatten Brugger im Tor, der jetzt über sich hinauswuchs. In der 76. und 77. zeigte er grandiose Paraden bei zwei Schüssen, die an anderen Tagen sicher zu Toren für Fellbach geführt hätten. In der 84. Minute traf Tatar dafür auf der Gegenseite nur den Pfosten.
Der schon verwarnte SVF-Spieler Bülent Güner holte sich in der 90. Minute noch die Gelb-Rote Karte wegen Meckerns ab. Das fiel jedoch nicht mehr ins Gewicht, genauso wenig wie das 2:3 durch einen allerdings herrlichen Freistoß von Giovanni Capasso. Kurz darauf durften die Nellmersbacher die Hände in die Luft reißen.
Frank Weinle, Trainer des SV Fellbach: „Die erste Halbzeit war katastrophal. Kämpferisch waren uns die Nellmersbacher überlegen. Es sah nicht so aus, dass wir wieder Tabellenführer werden wollten.“
Andi Lang, Trainer des TSV Nellmersbach: „Heute haben wir bewiesen, dass wir ein Team sind. Die Mannschaft hat Kampf und Moral gezeigt. Nur so können wir in der Landesliga bestehen.“
TSV Nellmersbach: Brugger, Brandt, Weller, Krajnc, Salzmann (59. Wiedmann), Kraus, Brezovac, Sapina, Kupfer, Skenderovic (90. Gölz), Musik (59. Tatar).
(Quelle: Waiblinger Zeizung, Matthias Schwardt)